Freitag, 13. April 2012

c r y s t a l z e r b r i c h t

crystalzerbricht


oh weh
zerspiegelt sich in stückchen-glas
kristall-eisigdorn glänzende schrille
eis-klirrender scherben-körper
zertrümmerung der vakuumflügel
schnee-flirrendes kryptikon
windige väterchen kelvin-froste
umwirbeln das weh

mit-fühl-end-es
dämonisch-gelächter
kindlich-geflüster
weiber-gebrabbel
feen-gesäusel
denker-gestirne
jungfern-gespiele
frauen-getaumel
baby-gelalle

oh weh


13.4.2012

Mittwoch, 16. November 2011

manchmal

manchmal

manchmal spricht
sie durch mich
legt sich ihre zartheit
auf meine seele

es ist ein sanfter schmerz
der wie windhauch
über meine häute schwebt

sie ist der schmerz

manchmal
empfinde ich sie
am anfang des wahnsinns

wenn ich nah war
spricht sie durch mich

in der stille
zupfen wir wieder
zusammen uns alle
ein wenig näher
gekommen      



26.10.2004

Samstag, 12. November 2011

Mit wem spricht das Gegenüberwesen?

Mit wem spricht das Gegenüberwesen?

Mein Kopf lag auf meiner Hand und ich versuchte, dem Inhalt zu folgen,
der Bedeutung, die aus einem Gegenübermund geflogen kam,
doch verstand Ichnicht.

… und sie sagte…

klängende worte kreiseln sich hinüber
durch eiscrystalline labyrinthe dichtender schichten
atmosphärischer triangeltriaden oder asphaltaner amaranthgesänge

– drang etwas ein und hindurch, durch m-ich, tiefer, gedrechseltes
verhallen, wo es sich nicht hörbar oder begreifbar wohnt –

niemals betraten fremdfüße diesen ort
träten sie auf eislandschaft, zerschnitten sich sohle
haut erfröre, zerknerzte zu eisflockigkeit und schnitters freude
kehlig gemachter laut in einsamer stille schrillt ton in den kosmos
undefinierbar an bedeutung und nur fühlbar in der eisigkeit von vakuum
der tod legte den kelvin sich über elegantes schweigen

Das redende Gegenüberwesen konnte nicht wissen,
wohin es sprach, wohin seine Worte fielen und doch
flogen sie hinweg über Felsigkeit und Eisdornigkeit
und hingen sich in Frosteszweige.

crystal – unerreichbar für menschlicheswesen
crystal – unauffindbar für mich
crystal instille

3.11.2011

Freitag, 11. November 2011

Crystal 2011

Crystal 2011


Weißt du noch, als du gesagt hast, dass
Du stumm bist und nur den Schrei aus
Schrillem, frostvereistem Schnee kennst

Und die Tötungen über Haut gingen,
Der rote Mann im toten Keller lag und
Das liebliche Kind sich die Haare kämmte
Weil niemand da war, um Trost zu spenden

Trost – dieses schwarze Wort,
das nicht hält, was es verspricht

Und heute stehst du der Liebe gegenüber
Heulst dir die Schneekristalle aus dem Haar
Und wartest darauf, dass er dich liebt, so wie du bist
Und nicht fortgeht in diese vermeintlich bessere Welt


Girlanden

Girlanden

Blass ist meine Haut
Schnee darauf taut

Meine glubschenden Augen
Zur Wahrheit nicht taugen

Der Schnee taut zu mächtigem Eis
Es nicht besser weiß

Mein Hirn ist verwirrt und irre
Zerknallt und zerplatzt im Geklirre

Naturgesetze gibt’s hier nicht
Gottes Tod ein helles Licht

Darum taut Schnee zu Eis
Auf meiner Haut so weiß

Und es niemand bemerkt hierzulanden
Darum hängen Girlanden

Schon immer in meinem Haar
Wie wunderbar

2002

T R O S T

Trost

Es gibt keinen Trost von Menschen auf dieser Welt. Ich bin eine Säule aus Marmor und bewege mich durch die Zeitzonen. Ich sterbe einem Niemals-zu-bekommenden-Trost hinterher. Meine Augen sind angehäufte Fallobste. Es ist Sommer und Wochenlang fiel kein Regen. Tränen gibt es nicht im Sonnensystem meiner Augen. Tränen sind versickert im Morast des Schicksals und der Trost ist verunglückt an den Bahngeleisen des Lebens. Ich bin nicht traurig darüber. Denn ich weiß nicht, wie es ist, traurig über etwas zu sein, das ich nicht kenne. Meine Mandelaugen starren in die kalte Welt hinein. Ich sehe Menschen, die an meinem Leben vorüberziehen. Es gibt anstrengende Menschen, streitende Menschen, die mich nicht lieben, weil sie mich nicht verstehen. Von ihnen ist kein Trost zu erwarten. Ich bin ihnen nicht böse. Aber es gibt auch wohlwollende Menschen, welche, die mir sehr freundlich zugetan sind. Bei ihnen kuschel ich mich stumm ein und genieße die Helligkeit ihrer Räume und Farben. Ich liebe sie, weil sie einfach da sind. Ich bin ihnen dankbar. Doch den Trost finde ich auch hier nicht. Trost. Trost. Trost. 

Augentrost. Trost für die Augen. Farben, die ich auf ein weißes Blatt Papier klatsche. Rot und Schwarz. Das Rot einer zum Himmel schreienden Qual. Das Rot meines Blutes, das geflossen ist aus Adern in diese Welt. Rot wie die Nacht, die brennende Nacht, die lodernde mit beißendem Qualm. Rot wie das Feuer, das alles vernichtende Feuer. Wie mein Herz, das unermüdlich schlägt und Schmerz tief in sich hält. Rot wie die Liebe? Liebe? Muss Liebe immer Rot sein? – Meine Liebe ist weiß wie der Schnee, rein, unbefleckt, kühl und weiß. Wunderschön anzuschauen. Und vor allem zart, so zart. Bei einer Berührung zerschmilzt der Schnee vor Schmerz. Schneetränen fallen. Das ist das Weiß der Liebe. Aber die male ich nicht. Ich nehme Schwarz. Schwarz wie die Angst, die Angst vor der Welt und vor dem Leben. Angst vor Begegnung, die Berührung ist. Schwarz wie die Kälte. Das Schwarz des Vakuums. Ohne Atem. Ohne Wärme. Ohne Trost. 

Ohrentrost. Trost für die Ohren ist der Wind, der durch Schilf weht mit seinem übermütigen Enthusiasmus. Wind, der durch die Blätter der Bäume streift, in denen Vögel sitzen, die fröhlich zwitschern. Das ist Trost für meine Ohren. Die Harfenmusik des Regenbogens. Das Klavierspiel der rauschenden Wellen. Das Knacken der Äste im Wald. Das Geraschel auf dem Waldboden, wenn kleine Tierchen hindurchwieseln. Das ist Trost für meine Ohren.

Mundtrost? Der Mund ist stumm. Es gibt keinen Trost für den Mund. Es gibt keinen Menschen, der die Stummheit erkennt. Es gibt niemanden, der den Trost ausspricht, ihn auslebt um meinetwillen. Um des Mundes Willen. Der Trost ist vor Hunderten von Jahren aus der Kehle gefallen. Er hat sich sozusagen herausgefoltert. Nun ist die Kehle gestorben, verwelkt, verdorrt, verraucht. Die Zähne beißen sich aufeinander, weil sie durchhalten müssen in dieser Welt, in der der Himmel brennt. Stummheit ist nicht zu erkennen. Es liegt leider in ihrer Natur, stumm zu sein. Die Menschen aber sind nicht stumm. Sie sind fröhlich wie die Schildbürger, geschwätzig und tönend. Ich freue mich für sie, die reden können aus ihrer inneren Stimme heraus. Ich aber verschließe das Leinen. Die Weißheit bleibt unerkannt und unerfüllt. Ich weine nicht darüber, denn ich bin der Schnee.

Es gibt keinen Trost, der von einem Menschen ausginge. Ich weiß nicht, wo ich ihn erwarten sollte. Ich weiß nicht, in welche Richtung ich schauen müsste, um ihn zu erblicken, wenn es ihn gäbe. Den Trost.

2005

Mittwoch, 2. November 2011

Björk - Play dead

Glasscherbenwelten

Glasscherbenwelten

hinter meinem Aug gefriert das
Eismeer zu mehr und Meereis; Glasscherbenwelten
klirren ruhelos still macht Geräusch der stumme Ton in
meinem Ohr ein Riss knirscht innerhalb der Muschelgrenzen

früher Morgen, früher Reif, der auf den Wellen liegt, die sich aneinander
frieren, zu frühreif geworden im Kleinkindalter an der Morgenreife festgefroren

windig ist der Sturm bläst mir durch Haaresbreiten und Hirnwindungen ich
schreie lautlos es ist ein Schrei der Liebe und kann den
Schmerzensruf nicht hören er schlummert
in meinsamer Kehle ohne Hauch

Glasscherbenwelten –

schnitt sich die Seele ins nicht vorhandene Fleisch und blutete aus
es gab keinen Tropfen nur Verhaltensstörung... so bleibt die luftige Sicht einer tausendfachen Splitterung im Fall der freien Zerbrechung ich sehne mich
entzwei aus tausendundeiner Nacht heraus in den Sinn meiner
Träume hinein, dass ich zerklirre in endliche
Spiegelaugen erblicken unendliche
Glasscherbenwelten

2005 

Fliegender Fisch

vakuum

vakuum
(für crystal)

ich zwinker dem mond und der sonne zu
und flüster dabei meine namen.
ich finde am tag vor mir selbst keine ruh
und höre die tosenden flammen.
ich weiß, dass ich liebe. ich weiß, dass ich bin.
heut gingst du von mir in die ferne.
ich sehne mich nach dir und richte den sinn
zur sonne, zum mond, in die sterne.

mein ziel ist die dunkle unendlichkeit
dort droben, die nähe der brüder.
ich fühle nicht mehr die verlassenheit
und löse mich auf immer wieder.
verzaubre mich glitzernd und fliehe hinfort
und sterbe und bin nicht mehr hier.
ich fliege und fliege hinweg von dem ort.
die schwärze der nacht ist die tür.

ich öffne sie, schwebe ins dunkle azur
und fühle nicht mehr meine beine.
verhallt in den sternen der teuersten schwur:
verlasse mich nicht, meine kleine!
ich drifte. ich kalte. ich fühle das nicht
und bin selbst ein vakuum traum.
bin eise. bin schneefrostes polare schicht
- vertrautheit – in einsamem raum.

1994

in dir - für sie

in dir (für sie)

sie ist schwach
und manchmal weint sie
sie ist zerbrechlich
wie eine Kontaktlinse
nicht lebend im Auge
ihrer Herrscherin
sie ist verletzlich
wie ein Mausejunges
kurz nach dem Auswurf
ins Leben
sie ist so schön
zu schön für diese Welt
sie würde die Würmer blenden
sie ist reif
fast überreif
und kurz vorm Zerplatzen ihrer Schale
vorm Ausperlen ihres Saftes
und sie kann fliegen
immer wenn du es wünschst

pass auf sie auf
nicht für dies Leben
ist sie geschaffen
hüte sie in dir
liebevoller als alle deine
leicht verwundbaren Körperteile

sie ist mehr als
ein greifbarer Teil von dir
wert

vertreibe den Tod
ihrer Nähe
nicht
sonst stirbt
sie



1993